Die hohe Kunst des Handelns

Handeln in Deutschland ist, außer auf Flohmärkten, meist so selten wie ein freier Tisch auf dem Münchner Oktoberfest. Vielleicht bin ich ja deshalb so schlecht darin. Hier in Marokko steht Handeln jedenfalls an der Tagesordnung und wer nicht mitmacht, der wird (vor allem als Tourist) sowieso über den Tisch gezogen.

Gestern war ich mal wieder in den Souks unterwegs – dieses Mal in der wunderschönen Hafenstadt Essaouira – und wollte eigentlich nur mal kurz ein paar Kräuter fotografieren, die mir beim Vorbeilaufen so aufgefallen sind:

Drei Sekunden später saßen meine Mama und ich im urigsten Tee- und Kräuterladen, den ich bis dato in Marokko gesehen habe. Natürlich gibt es solche Läden wie Sand am Meer, aber so richtig innen drin war ich bislang noch nicht. Wie alle Marokkaner war auch der Besitzer dieses Geschäfts eifrig darum bemüht uns die Inhalte sämtlicher Behältnisse und Glasflaschen zu erklären, und hat uns dabei netterweise sogar auf einen Tee eingeladen.

Was man den Marokkanern wirklich zu Gute halten kann: Sie sind immer für ein nettes Gespräch zu haben, auch wenn man danach in 99,9% der Fälle gefragt wird, ob man nicht doch etwas kaufen will – zu einem außergewöhnlichen, very special price versteht sich!

Wir wollten in besagtem Kräuterladen dann auch wirklich ein paar leckere Tees und duftende Seifen kaufen und sind deshalb auch ein bisschen länger geblieben. Noch bevor wir allerdings nach dem eigentlichen Preis fragen konnten wurde uns – schwupps – schon alles fix und fertig eingepackt und für stolze 250 Dirham, umgerechnet 25€, feilgeboten (special price, ihr wisst schon…)

25€ für Tee und Seife?! Das ist ja wohl ein Scherz, dachten wir uns und versuchten uns im Handeln. Und ich muss sagen, ohne meine Mama und ihre Hartnäckigkeit hätte ich den Tee am Ende des Nachmittages wohl trotzdem noch völlig überteuert gekauft. Nach einer gut dreißigminütigen Diskussion hat unser marokkanischer Freund dann völlig entnervt eingewilligt, uns Tee und Seifen für circa 12€ zu verkaufen.

Erschöpft und ratlos standen wir also draußen auf der Straße und haben uns gefragt: War das jetzt der richtige Preis? Haben wir immer noch viel zu viel bezahlt? Oder vielleicht sogar zu wenig?! In unserem Riad wurden wir schließlich schlauer und letzten Endes haben sich die Verhandlungskünste meiner Mama dann doch als recht passabel herausgestellt.

Beim nächsten Einkauf im Souk weiß ich jedenfalls: Nie mehr als die Hälfte des Preises zahlen, auch wenn der Verkäufer danach so beleidigt ist, dass er nicht mal mehr „Au revoir“ sagen will! Und dass das Handeln mit ein bisschen Übung wirklich Spaß macht 😉

Always happy tradings!

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One response to “Die hohe Kunst des Handelns

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